Rado

Moving Materials

Präsentation

DESIGN TRIFFT ZEIT IN DER FESTIVALZENTRALE

Rado

  • 25.9.2026, 11–19 Uhr
  • 26.9.2026, 11–22 Uhr
  • 27.9.–4.10.2026, 11–19 Uhr
  • Preisverleihung: 3.10.2026, 17 Uhr

Festivalzentrale

13., Hietzinger Kai 101

Rado zeigt, wie Zeit, Architektur und Material verschmelzen – mit Moving Materials und Le Corbusier.

Von März bis August bekamen Gestalter*innen aus dem Bereich Motion Design im Rahmen des Wettbewerbs RADO MOVING MATERIALS die Möglichkeit, mit eigens für die Videowall in der Wiener Rado Boutique produzierten Animationen zu überzeugen – diesmal zum Thema Architecture of Time. Bei der VIENNA DESIGN WEEK werden alle sechs Folgen des gemeinsamen Formats sowohl in der Festivalzentrale als auch in der Rado Boutique in der Kärntner Straße 18 noch einmal gezeigt. Ergänzt wird der Showcase in der Festivalzentrale um Designstücke aus der „True Round × Les Couleurs® Le Corbusier®“-Special Edition.


FOLGE 1: REFRESH-RATE RITUALS (STAR TIME TO SCREEN TIME)
Maximilian Prag

„In ihren Videoarbeiten behandelt Maximilian Zeit sowohl als physisches als auch als metaphysisches Material. Von Tiefseeinternetkabeln, die unsere schneller als in Echtzeit ablaufende Social-Media-Timeline steuern, bis hin zu planetarischen Zeitskalen von Erosion und Verfall. Durch die Kombination menschlicher und nicht-menschlicher Zeitformen (Linien, Zyklen, Spiralen, liminale, saisonale) nutzen sie Zeit als Material für die Gestaltung von Welten. In ihrem CGI-Ansatz verwenden sie (de-)generative Algorithmen zusammen mit digitalisiertem Archivmaterial in Form von 3D-Scans, um eine Brücke zwischen greifbarer und nicht greifbarer Materie zu schlagen und so eine offene Traumlandschaft der Realitäten darzustellen. Das Video zeigt ihre Forschung zu Zeit als vierter Dimension und die Visualisierung von Zeit als Ursache und Wirkung, aber auch den Akt des Aufzeichnens oder Erlebens von Zeit selbst als bewegtes Material. Zeit wird nicht als linearer Verlauf behandelt, sondern als ein Fluss, der sich selbst misst, während er in das Bewusstsein hinein- und wieder hinausströmt.“


FOLGE 2: FEELING FOR TIME
Alessa Wolfram

„Zeit ist Bewegung und doch kann sie stillstehen. Zeit bewegt sich stetig voran und doch ist sie immer wiederkehrend. Zeit ist unsichtbar und doch sieht man all ihre Effekte. Zeit fühlt man. Die Herangehensweise der Animation zum Thema Architecture of Time ist, zu zeigen, aus welchen Formen Zeit im Sinne von Bewegung konstruiert wird, wie Zeit sichtbar wird und wie sie sich anfühlt. Die Animation führt durch unterschiedliche abstrakte Szenen, in denen mit Formen, Bewegung und Materialien bekannte Gefühle in Bezug auf Zeit dargestellt werden. Ein Beispiel dafür: Zeit läuft in einem Zyklus. Dinge geschehen immer wieder, wie die Jahreszeiten, das Gefühl, immer wieder von vorn beginnen zu können, aber auch wie das Gefühl, im Kreis zu laufen und nicht voranzukommen.“


FOLGE 3: IN THE BLINK OF AN EYE
Liza Borovskaya-Brodskaya

„Zeit ist kein natürliches Phänomen, sondern ein soziales Konstrukt. Wir nehmen Bewegung, Wandel und Prozesse wahr, während wir uns durch einen Strom von Situationen bewegen, die sich zusammenfügen und wieder auflösen. Zeit mag als etwas erscheinen, das sich unserer Kontrolle entzieht, tatsächlich ist Zeit jedoch von Menschen geschaffen: Uhren sind Rahmen für die Zeit, die organische Prozesse in abstrakte Einheiten zerlegen. Der Film tut scheinbar dasselbe, doch – trotz des starren Rhythmus der Einzelbilder – kann er die Zeit überwinden und durch konstruierte Bilder Bewegung erzeugen.“


FOLGE 4: TIME WELL SPENT (THE RELENTLESS PURSUIT OF NOTHING)
Thomas Albdorf

„TIME WELL SPENT ist eine liebevolle Auseinandersetzung mit alltäglichen Objekten, die einem ständig begegnen – diese werden zu Hauptdarsteller*innen und zum Zentrum der filmischen Inszenierung. Die meditative, ziellose Konfrontation mit vermeintlich banalen Gegenständen ermutigt und ermöglicht das Finden von Freude im Alltag, die als einzige Gegenleistung Zeit verlangt. Die genannten Objekte werden einerseits konventionell gefilmt und inszeniert, um dann aber in weiteren Nachbearbeitungsschritten in ihrer zeitlichen Darstellung verschoben zu werden. Mehrere temporale Ebenen werden mittels unterschiedlicher Techniken gleichzeitig gezeigt und thematisieren somit die Möglichkeiten des Films und der Animation gegenüber der konventionellen Wahrnehmung.“


FOLGE 5: PARENTS OF TIME
Diana Bobb

„Meine Inspiration entspringt den Rhythmen, die unser Leben strukturieren. Lange bevor der Mensch mechanische Uhren entwickelte, orientierte er sich an den Sternen, den wandernden Schatten der Sonne, der Länge der Nacht und den Phasen des Mondes. Aus diesen wiederkehrenden Bewegungen entstand eine Architektur der Zeit. Die moderne Physik zeigt, dass Zeit keine universelle Konstante ist. Nach Einsteins Relativitätstheorie vergeht sie abhängig von Bewegung und Gravitation unterschiedlich. Doch auch unser Körper besitzt seine eigene Zeit: Herzschlag, Atmung und biologische Rhythmen bestimmen, wie wir Dauer erleben. Verschiedene Lebewesen bewegen sich in unterschiedlichen Takten – ihre Herzfrequenz, ihr Stoffwechsel und ihre Lebensspanne folgen jeweils eigenen Rhythmen. In meiner experimentellen Animation geht es um die Beziehung zwischen diesen beiden Zeitebenen: den kosmischen Rhythmen, die unseren Planeten strukturieren, und den biologischen Rhythmen, die unser Leben bestimmen. Sie fragt, ob Zeit eine Eigenschaft des Universums ist oder ob sie erst durch wiederkehrende Bewegungen und unsere Wahrnehmung erfahrbar wird.“


FOLGE 6: SCREENTIME
Simon Hundsbichler / Jonas Nath

„Das Projekt untersucht die Eigenzeit bildschirmbasierter Medien anhand zweier komplementärer Formen medialer Zeitlichkeit – des Ghost Images und des Bildschirmschoners. Das Ghost Image konserviert vergangene Bildzustände als irreversiblen, materiellen Abdruck, indem es sich durch die Alterung der Leuchtpixel dauerhaft in das Display einbrennt. Als technische Gegenmaßnahme fungiert der Bildschirmschoner, der das Display durch subtile Veränderungen schützt. Inspiriert vom Konzept des Cinemagraphen friert der Stand-by-Modus den Moment zu einem paradoxen Zustand ein, der zwischen Stand- und Bewegtbild oszilliert. Das Bild basiert dabei auf einer endlosen, zyklischen Schleife, die jegliches Gefühl für Anfang oder Ende auflöst und als romantisierter Sehnsuchtsort verweilt. Diese beiden Phänomene treten in einen Dialog, in dem das Ghost Image autonom ein Echo der Vergangenheit konserviert, während der Bildschirmschoner eine endlose, hypnotische Gegenwart simuliert. Das Projekt behandelt die Frage, wie digitale Medien unsere Zeitwahrnehmung verändern und wie vermeintlich flüchtige Bilder dauerhafte, materielle Spuren hinterlassen.“