
Passionswege
Ausstellung
SEILE
Anna Paul, Seilerei Haanl
- 25.9.2026, 11–19 Uhr
- 26.9.2026, 11–22 Uhr
- 27.9.–4.10.2026, 11–19 Uhr
Festivalzentrale
Gemeinsam mit Haanl löst Anna Paul das Seil aus seiner gewohnten Funktion und macht seine Struktur, Haptik und skulpturale Präsenz zum Ausgangspunkt einer Serie überdimensionierter Objekte.
Seit 1889 dreht sich beim Wiener Unternehmen Haanl alles ums Seil. In Erdberg gegründet und seit 1912 in Floridsdorf ansässig, wird der Familienbetrieb heute in fünfter Generation geführt. Über mehr als 130 Jahre haben sich Materialien und Einsatzgebiete grundlegend verändert: Zu den Seilen für die Landwirtschaft kamen Industrie- und Stahlseile, Netze, Sport- und Spielplatzgeräte sowie maßgefertigte Lösungen. Das Wissen um das Seilhandwerk blieb – obwohl der Lehrberuf Seiler*in in Österreich bereits 1975 aufgelassen wurde.
Für die Passionswege nimmt die bildende Künstlerin Anna Paul diesen langen Faden auf – und führt ihn gleichzeitig in eine andere Richtung. Gemeinsam mit Haanl produziert sie kurze, überdimensionierte Seilobjekte, die sich den Funktionen entziehen, die wir dem Material üblicherweise zuschreiben: verbinden, verzurren, befestigen, sichern, heben oder ziehen. Nicht das, was ein Seil kann, steht im Mittelpunkt, sondern das, was es ist.
Struktur, Haptik, Gewicht und Volumen werden selbst zum Gegenstand der Gestaltung. Zu kurz, um etwas zusammenzuhalten, aber groß genug, um mit dem menschlichen Körper in Beziehung zu treten, werden die Seile zu skulpturalen Objekten. In der Lobby der Festivalzentrale laden sie zum Sitzen, Verweilen und Spielen ein – und nutzen ein jahrhundertealtes Handwerk dort, so wie man es vielleicht am wenigsten erwartet.

