Review: 2021

SPEZIAL

„Die VIENNA DESIGN WEEK versteht sich – neben ihren vielen anderen Funktionen – als Raum zum Experimentieren, als Rahmen, den man sprengen darf. Insbesondere gilt das für das Format Spezial, in dem es zur liebgewonnenen Gewohnheit geworden ist, dass Ungewöhnliches passiert.“ Entlang dieser programmatischen Leitlinie machte die VIENNA DESIGN WEEK auch 2021 wieder anschaulich, wie Design in vielfältiger Weise speziell sein kann.

Speziell ist etwa unser Alltag – zumindest wenn er durch die Linse von DESIGN EVERYDAY betrachtet wird. Die von Vandasye im Auftrag des Festivals konzipierte und kuratierte Jahresausstellung versammelte zum bereits fünften Mal das Innovationspotenzial der österreichischen Designszene. Mit Exponaten wie Arm- und Fußprothesen, Minimehlwurmfarm oder anderem Küchenutensil machte die Zusammenschau  sichtbar, dass Gestaltungskriterien wie Funktion, Ästhetik, Haptik und Nachhaltigkeit laufend auf der Höhe der Zeit überdacht und optimiert werden müssen. Geschärft wurde diesmal aber nicht nur der Blick für ein Who’s who des österreichischen Produktdesigns – geschärft wurden auch die Messer: Erstmals konnte mit dem streng limitierten Taschenfeitl so ein Stück DESIGN EVERYDAY zum Mitnehmen erworben werden.

Collectible Design aus Österreich gab es 2021 auch in der Ausstellung POST-APOCALYPTIC KAFFEEHAUS, die nach Ende der VIENNA DESIGN WEEK genauso wie das Festivalteam postwendend zur Dutch Design Week in Eindhoven weiterreiste. Die poetischen, radikalen, humorvollen oder konzeptuellen Interventionen luden da wie dort dazu ein, sich vorzustellen, was von den Ritualen unseres Alltages bleibt, wenn sich die Welt um uns ändert. Aluminiumbaiser, Betongusskaktus, Keramikkaffeehaus und alle weiteren Stücke der von Gabriel Roland zusammengestellten Spezialkollektion sind anknüpfend an die Präsentation vor Ort auf adorno.dk erhältlich. 

Spezial kann aber nicht nur sein, was in imaginierten Settings wie dem postapokalyptischen Kaffeehaus passiert. Spezial ist auch, was an ganz konkreten Orten geschieht: Etwa wenn Design die dunkle Zeitgeschichte des Nordwestbahnhofes mittels architektonischer Gesten freilegt und sie so ausnehmend eindrücklich erfahrbar macht (Tracing Spaces). Speziell ist es letztlich auch, wenn Design die eigenen Grenzen zur Kunst hin austestet oder sich die Arbeit – vom kindlichen Entwurf bis zur Ausführung – mit Computerprogrammen teilt (Leo Mühlfeld). Spezial begibt sich auch in den virtuellen Raum und erforscht dort, wie wir uns in Videokonferenzen präsentieren (CIVA). Das und mehr war das Format Spezial bei der VIENNA DESIGN WEEK 2021.